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Johannisbrotmehl – vergessene Tradition

08.April 2009 | Thema: Essen & Genuss | Vorheriger Essen & Genuss-Beitrag: « Il Parmigiano Reggiano delle Vacche Rosse | Nächster Essen & Genuss-Beitrag: Pfeffer – mehr als ein Gewürz »

afarobaWenn man an die mediterrane Küche denkt, dann fallen einem in erster Linie Olivenöl und Rotwein ein, gefolgt von Knoblauch, den mediterranen Kräutern wie Basilikum, Rosmarin und Thymian. Selten denkt man dabei an Johannisbrotmehl. Obgleich der Johannisbrotbaum schon seit der Antike Teil der mediterranen und iberischen Landschaft ist, verbanden Mittel- und Nordeuropäer lange Zeit mit seinen Früchten nicht unbedingt etwas Essbares.

Auf der iberischen Halbinsel wurden die Johannisbrotbäume von den Arabern eingeführt. Wenige Nachforschungen gibt es über die damalige Verwendung.

johannisbrot-baum

Bekannt ist nur, dass die Johannisbrotfrüchte in Portugal bis zum 1. Weltkrieg hauptsächlich nur als Tiernahrung genutzt wurden, obgleich man sich seines nutritiven Wertes bewusst war.

Während des ersten Weltkrieges begann dann die portugiesische Bevölkerung, in Ermangelung anderer Lebensmittel, die Johannisbrotfrüchte zu essen.

Seit dieser Zeit begann man wieder aus dem Fruchtfleisch der Schoten Johannisbrotmehl herzustellen. Dabei wird das Fruchtfleisch fein gemahlen und dann geröstet. Aus dem Johannisbrotmehl lassen sich so sehr leckere und nahrhafte Kuchen z. B. herstellen.

Nach dem Einzug der Fastfood-Kultur in Portugal, die dieses traditionelle Lebensmittel zurückdrängte, erlebt das Johannisbrotmehl nun wieder einmal eine Renaissance.

Lange Zeit fand man es in portugiesischen Supermärkten nur bei diätischen Lebensmitteln. Heute findet man es verstärkt wieder. Es hat seinen Bekanntheitsgrad unter der Bezeichnung Karobpulver sogar europa- bzw. weltweit erweitert.

In Portugal werden zunehmend wieder alte Rezepte mit Johannisbrotmehl verwendet und auch das traditionelle portugiesische Trio Johannisbrot-Mandeln-Feigen wird wieder öfter zum Kuchen backen verwendet.

An der Algarve im südlichen Portugal, das eine lange Johannisbrot-Tradition hat und wo auch die meisten Johannisbrotbäume kultiviert werden, kann man nun wieder immer öfter auf Märkten und den typischen Pastelarias, Produkte aus Johannisbrotmehl geniessen.